Das ländliche Indien in Bishnupur
Eigentlich war es schon abgemacht, dass ein Taxi von Calcutta Cabs am Flughafen von Kalkutta auf uns warten sollte. Als ich einen Tag zuvor nochmals anrief, wusste aber niemand mehr davon, das Indische Hirn speichert wohl maximal für eine Woche. Auf alle Fälle wusste er die Situation auszunutzen und verdoppelte den Preis, leider bleibt einem aus der Ferne und mit einem engen Zeitprogramm nichts anderes übrig, als sich auf das fiese Spiel einzulassen. Zum Glück teilten sie uns einen Fahrer zu, der kein einziges Wort Englisch versteht, und sich am Flughafen auch nicht an einem intelligenten Ort, wie dem Ausgang, hinzustellen wusste. Somit war schon für ein wenig Aufregung gesorgt und ein neues Abenteuer durfte beginnen.
Die Fahrt begann mit ein wenig stockendem Verkehr in Kalkutta und führte dann über eine nicht sehr gute Strasse bis wir auf einen Stau trafen. Wohl wegen einen Fest, Streik oder Demonstration (was alles relativ häufig in West Bengal vorkommt) war die Strasse versperrt und hunderte Autos, Busse und Lastwagen zum Warten gezwungen. Nach einiger Zeit marschierte dann ein Battalion der Indischen Armee vorbei und some time later setzte sich der Verkehr langsam wieder in Bewegung. In der Zwischenzeit verabschiedete sich auch das Tageslicht und wer einmal im dunkeln auf indischen Strassen unterwegs war, der kann verstehen, dass die noch vor uns liegende Strecke nicht viel Vergnügen bereitete. Der Gegenverkehr kommt stets mit Scheinwerferlicht, während am Rand gleichzeitig Objekte ohne Beleuchtung bzw. Reflektoren unterwegs sind. Dazu kommen noch Schlaglöcher die rechtzeitig erkannt werden müssen, eine tolle Kontrastübung für die Augen. Dies wäre noch gar nicht so tragisch wenn alle auf ihrer Strassenseite bleiben würden und nicht auch bei offensichtlichem Gegenverkehr zu überholen. Unsere Fahrt wollte nicht enden und als dann ein Truck frontal auf unseren Ambassador zufuhr und nicht mehr auf die andere Strassenseite zu wechseln schien (wir standen bereits), war für alle genug - denn auch wenn der Fahrer fährt, sterben würden wir alle.
Wir waren also heilfroh in einem Stück beim Laxmi Park Hotel angekommen zu sein und dieses doch ganz ordentlich war, auch wenn sich die Begeisterung des Maharajas trotz Suite anfänglich noch in Grenzen hielt - was sicher auch den Reisestrapazen zu zuschreiben war. Der nächste Tag zeigte aber, dass das ländliche Indien auch für die Oberesten durchaus seine Reize hat und er mit Fotografieren kaum mehr zu stoppen war.
Am Morgen besuchten wir das Rasmancha eine Backsteinkonstruktion die Bir Hambir 1587 erbauen liess, jedoch keinen Tempel darstellt. Hier war Sightseeing sehr angenehm weil wir fast die einzigen Besucher waren (westliche sowieso) und es keine aufdringlichen Verkäufer gab die einem die Ohren voll redeten. Am Nachmittag beschäftigten wir noch zwei Rickshaws um uns zu einigen der vielen Backsteintempel zu bringen, welche im Licht der untergehenden Sonne von ihrer schönsten Seite zeigten. Neben der Tempel war aber hauptsächlich das Leben hier die Attraktion und eine tolle Erfahrung. Mit “do you have batteries?” stiess man hier auf taube Ohren während “bättery hai” den Verkäufer sogleich in Aktion versetzte.
Am letzten Tag wollten wir noch unser Paket für die Schweiz aufgeben, am Tag zuvor organisierten wir eine Schachtel und erkundigten uns im Post Office über die Öffnungszeiten (11 Uhr IST) und den Ablauf das Versands. Wir wurden mit unserer Box zum Hintereingang mitten in das Postgebäude hinein geschickt und trafen dort erneut auf den freundlichen Chef, der sich sogleich um unser Anliegen kümmern wollte. Als er jedoch die Schachtel sah, traf ihn der Schreck. Während wir von 10kg sprachen, rechnete er mit einer ganz kleinen Box, ausserdem sollte diese mit Stoff überzogen und vernäht sein obwohl er zuvor den Inhalt prüfen wollte - uns fehlt bis heute die Vorstellungskraft wie dies funktionieren könnte. Schnell merkten wir, dass wir wohl die Ersten wären, welche ein solchen Paket hier aufgeben wollten und meinten es sei kein Problem für uns es in Kalkutta zu versuchen. Das verletzte Wohl ein wenig den Stolz des Postchefs und er meinte es sei überall gleich und ausserdem haben wir sowieso die gleichen Gefühle und das gleiche Blut, was auch immer er da genau Sagen wollte. Wir packten also die Box wieder ein und die ersten 150km ihrer langen Reise war sie noch unter unserer Obhut.
Die Fahrt bei Tag war dann wesentlich angenehmer wenn auch wieder sehr lange, für einen kleinen Snack stoppten wir bei einem Roadside Restaurant wo es ein Thali gab und Chlorwasser. Verständlicherweise wollte sich der Maharaja da nicht den Magen verderben obwohl er am Morgen noch mit einem Strassenhändler ins Geschäft gekommen ist über drei Pakora.
Filed under: Reisen on December 22nd, 2010
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