Am Abend des 16. November machten wir uns auf den Weg zur Busstation. Nach einer Dusche mit Gartenschlauch, um uns vom letzten Goa-Strand-Sand zu befreien, fühlten wir uns frisch genug um die Reise mit dem Nachtbus nach Hapi anzutreten. Die Frische war aber nur von kurzer Dauer, da unsere Wäsche leider beim letzten Mal waschen neben einem nassen Hund o.ä. gelegen haben muss und auch dementsprechend angenehm roch, obwohl frisch gewaschen. Der kleine, vollgestopfte, unklimatisierte Zubringerbus, der uns nach Panaj zur grossen Busstation brachte, tat den Rest dazu. Schweissgebadet kamen wir an.
Der Nachtbus nach Hampi ist berühmt dafür, sehr unkonfortabel und vor allem unklimatisiert zu sein. Trotz der vielen negativen Berichte die wir gelesen hatten, liessen wir uns nicht einschüchtern und hatten einen Upper Sleeper für 600 INR gebucht. Die Fahrt war dann auch gar nicht so schlimm wie befürchtet. Mit offenem Fenster hat man sogar ein wenig gefroren und an tiefschlaf war auf der Holperstrasse nach Hampi auch nicht zu denken, aber alles in allem war es ok. Das Schlimmste waren unsere stinkenden Kleider und wir amüsierten uns köstlich darüber, die gerümpften Nasen zu beobachten. Wer schafft es schon mit frisch gewaschenen Kleidern der grösste aller „Stinkitraveler“ zu sein.
Mehr oder weniger ausgeruht kamen wir in Hampi an und bezogen unser Quartier. Das Guesthouse Rahul war indisch sauber und entsprach ungefähr dem Standart an Zimmer die es in Hampi gibt. Die Zimmer sind einfach und die Betten hart.
Nach kurzer Regeneration machten wir uns auf, um die Umgebung zu Erkunden. Eigentlich waren wir froh, die Russenhochburg Goa verlassen zu haben, wurden aber sofort in die Realität zurück geholt, als und im Frühstückslokal eine russische Menukarte hingehalten wurde.
Hampi früher Vijayanagar genannt, ist die ehemalige Hauptstadt des letzten grossen Hinduistenreichs Südindiens vor Ankunft der muslimischen Eroberer. Die „Siegerstadt“ war in ihrer Blütezeit im 15. Jh. bis zu ihrem Untergang im Jahre 1565 Ziel vieler europäischer Handelsreisender. Es wurde mit Gold, Perlen, Rubinen und Smaragten gehandelt, was der Stadt ihren Reichtum und ihre Macht beschehrte. Heute sind von den Palästen und Tempeln nur noch Ruinen übrig, welche es für uns zu besichhtgen galt.
Am 1.Tag nahmen wir uns die Tempel-Ruinen über dem Dorf und die Ruinen des königlichen Zentrums vor. Die Ruinen sind jeweils zwischen grosse Felsbrocken eingebettet, was dem ganzen eine mystische Stimmung verleiht. Da das ganze Gebiet 26 km2 umfasst, mieteten wir uns Fahrräder (INR 200 = 5CHF für 3 Tage und 2 Fahrräder). Trotz 1-Gang-Schaltung und hügeliger Landschaft liessen sich die km so schneller bewältigen. Wir fuhren und wanderten und kletterten zwischen und auf den Felshügeln resp. Ruinen herum, bis es Zeit wurde etwas zu essen. Neben dem Königinnen-Bad war eine Gruppe Inder daran unter freiem Himmel zu kochen. Neugierig standen wir herum und bewunderten das Schauspiel, bis wir zum Schluss auch zwei Teller angeboten bekamen. Als wir nach dem einfachen aber köstlichen Mahl bezahlen wollten, lehnten die Köche wehement ab. Verwundert bedankten wir uns und zogen von dannen. Hätten wir uns in diesem Moment daran erinnert, dass im Reiseführer davon gewarnt wird, Essen von Fremden anzunehmen, da dieses mit einschläfernden Mitteln versetzt werden kann, wäre uns wohl schon ein wenig schmauch geworden. Wir hatten aber Glück und gute Menschenkenntnis und waren nicht an Banditen geraten, sondern nur an freundliche und gütige Landbewohner.
Am Abend assen wir noch in einem köstlichen Italiener Pizza&Pasta, welcher auch gleich zu unserem Stammlokal wurde, bevor wir in unsere harten Betten fielen.
Das ungewöhnlich „kühle“ und bedekte Klima (normalerweise herrscht um Hampi brütige Hitze) setzte sich auch am nächsten Morgen fort und so lohnte es sich auch nicht früh morgens aufzustehen, um den Sonnenaufgang von einem nahegelegenen Hügel anzusehen – zum Glück :-)!!!
Heute standen die Tempel-Ruinen am Fluss Tungabhadra und der Vitthal-Swami-Tempel auf dem Programm. Das perfekt zusammengestellte Programm, welches von den Tempeln bis zum Fluss, welcher mit Nussschalenboten überquert wird, über das ländliche Dörchen Agondi und auf dser anderen Flusseite zurück bis nach Hampi geführt hätte, wurde von akutem Hunger durchkreuzt und wir mussten direkt zurück ins Restaurant.
Das Programm wurde am nächsten Tag mit gefülltem Magen von hinten her zu Ende geführt und wir waren froh, dass wir diese ländliche Gegend mit den leuchtenden Feldern und dem Stausee doch noch zu Gesicht bekamen.
Mit unserem Töffli entdeckten wir sogar noch das kleine, gemütliche Restaurant Wispering Stones mit Bushbungalows mitten im „Urwald“, welches bei einem nächsten Besuch in dieser Gegend sicher als Unterkunft in betracht gezogen werden könnte.
Auf der Rückfahrt ging leider noch der Gasgriff bei unserem Töffli kaputt. Ein freundlicher Helfer operierte uns das Kabel heraus und ermöglichte uns mit ziehen am Kabel Gas zu geben und zurück nach Hampi zu kommen. Natürlcih gab das noch Disskusionen mit dem Besitzer, welcher nach anfäglichen Schuldzuweisungen doch einsah, dass er nichts von uns verlangen konnte.
Nun stand uns nur noch die Rikshawfahrt nach Hospet bevor, welche sich auch noch als Erlebnis entpuppen sollte. Wir hatten bereits im Voraus mit einem Fahrer Zeit und Preis vereinbart und staunten nicht schlecht, als wir un 18.00 Uhr unsere Koffer in die heruntergekommenste Rikshaw die wir je gesehen hatten, einladen mussten. So wie das Gefährt aussah, ging die Fahrt auch los. Schon beim ersten Hügel mussten wir aussteigen, da die Rikshaw die Steigung nicht schaffte. Oben ging die Fahrt weiter, aber in einem Schneckentempo, so dass die anderen Rikshaws wie Pfeile an uns vorbeischossen. Hätten wir nicht so viel Zeit eingeplant, wären wir sicher nervös geworden. So aber konnten wir die Situation mit Humor nehmen. Auch als das Gerät nach einem Dorf verdächtig laut polterte und wir anhalten mussten, um auf Werkzeug zu warten wurde die Situation immer amüsanter. Normalerweise braucht man für die Strecke Hampi-Hospet ca 30 min. Wir hatten etwa 1h, kamen aber doch Rechtzeitig an. Die restliche Wartezeit wurde uns von ganzen Inderfamilien verkürzt, die zum 1000x unsere Namen und unsere Hometown wissen wollten. Auch Fotos mussten wir von jedem von ihnen schiessen und Unterschriften verteilen.
Ziemlich pünktlich fuhr der Hampi-Express in Hospet ein und wir richteten uns in unserem reservierten AC 2tier Abteil für die Nacht ein.
Filed under: Reisen on November 28th, 2010 | No Comments »